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4.12.04
Hilke Hillebrand, Lindenstr. 32
Ich bin wirklich erschüttert!
Ich wohne seit 12 Jahren direkt gegenüber des ehemaligen Gartens. In all den Jahren war ich sehr glücklich, den Wechsel der Jahreszeiten an den Bäumen des Gartens miterleben zu können – im Frühjahr kamen die Vögel und das neue Grün, im Sommer spendeten die Bäume frische Luft, im Herbst stand ich oft am Fenster, während ich telefonierte und betrachtete die untergehende Sonne, die die Bäume in ein sanftes rosa Licht tauchte und im Winter war es für mich, wenn es mal so richtig kalt war und Raureif auf den Dächern lag oder sogar Schnee, der erste Gang am Morgen zum Fenster für einen Blick auf die verschneiten Bäume gegenüber.
In all den Jahren sah ich die Bäume wachsen – und ich hatte durch diese grüne Oase nie das Gefühl, inmitten der grauen Stadt zu leben. Gerade dieser Blick aus dem Fenster vermittelte mir den Eindruck, mittendrin in der Stadt und gleichsam auch noch mit ein wenig Natur verbunden zu sein. Was mich demnächst erwartet, ist das krasse Gegenteil: eine Häuserfront, die, wie es scheint, lückenlos abschließt mit den umliegenden Häusern, so dass – trotz meiner Höhe des 5. Stocks – selbst die Synagoge nicht mehr sichtbar sein wird. Welch eine Aussicht!!!
Mir erscheint kein Grund wirklich plausibel, diesen alten Baumbestand einfach so in einer Nacht- und Nebelaktion zu beseitigen. Das Absägen der Bäume „durfte“ ich teils am Fenster beobachten und ich schäme mich nicht zu sagen, dass mir das Zuschauen weh tat und ich es nicht wirklich fassen konnte/wollte– in kürzester Zeit wurde ganz einfach zersägt, was jahrzehntelang wachsen konnte, um für alle sichtbar (Passanten, Anwohner etc.) und sinnvoll zu sein.
Natürlich trauere ich – dem Fortschritt im Weg zu stehen, ist nicht meine Art; allerdings werden meiner Meinung nach viele Fragen aufgeworfen angesichts des hohen Büroraumleerstands, der in Köln vorherrscht. Somit hätte eine andere Art der Nutzung des Gartens unter Bewahrung der Bäume immer Priorität haben müssen!!
Diese Aktion der Dominikaner hat kein gutes Licht auf die Kirche geworfen und lässt mich über einen Wohnungswechsel nach all den Jahren zum 1. Mal ernsthaft nachdenken.
Hilke Hillebrand Lindenstr. 32
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