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Jecker Protest für den frommen Prinzen
VON THOMAS AGTHE, 02.02.05, 07:06h
Während der närrischen Festtage des vergangenen Jahres wurde den Jecken im Vorgebirge mitunter das elfte Gebot verkündet: „Du sollst den Karneval kräftig feiern!“ Und damit das so richtig gelinge, so erklärte es der damalige Prinz Bernhard während seiner Antrittsrede in Walberberg, habe der Bauer den Dreschflegel mitgebracht: „Damit wir uns gegen Politiker, Kardinäle und andere Stimmungskondome wehren können.“
Solch deftige Reden wusste Deutschlands erster Pater der Dominikaner im Prinzen-Ornat zu schwingen. Doch während sich die Närrinnen und Narren bestens geschützt wussten gegen Politiker und Kardinäle, ereilte den ehemaligen Prinzen, Bruder Bernhard Venzke, dieser Tage Spruch und Urteil derjenigen seiner Brüder, gegen die er sich nicht wehren kann, und auch der Bauer mit dem Dreschflegel wird nicht helfen können.
Der allseits beliebte Bruder Bernhard Venzke, der als Prinz Karneval die schlichte Mönchskutte mit dem farbenprächtigen Prinzen-Ornat vertauscht hatte, wurde jetzt abberufen in den kühlen und längst nicht so stimmungsvollen Norden - in die Hansestadt Hamburg. Seine Freunde von der Großen Brühler Karnevalsgesellschaft „Fidele Bröhler / Falkenjäger blau-gold von 1973 e.V.“, wo der Pater jüngst zum Regimentskaplan befördert wurde, sehen darin eine kaum verhohlene „Strafversetzung“. Pater Bernhard, Leiter der Tagungsstätte der Dominikaner in Walberberg, hatte vehement gegen die Schließung der Tagungsstätte gekämpft und sich dabei nicht gescheut, sogar den Pater General in Rom anzurufen. Vergeblich: die Tagungsstätte wird geschlossen.
Das wollen zumindest die Karnevalisten so nicht hinnehmen. Sie haben ihre Mitglieder aus Walberberg, Brühl, Bonn und selbst aus Köln zu einer Solidaritätsaktion aufgerufen, die beweisen soll, dass Närrinnen und Narren einen der ihren nicht „sang- und klanglos“ ziehen lassen wollen und sich bei allem Spaß auch zu einem durchaus ernst gemeinten Zug versammeln können. Heute um 17.30 Uhr ist auf dem Kirmesplatz in Walberberg das Treffen all der Jecken, die mit einem Fackelzug zu Ehren des Geistlichen vor das Kloster ziehen und „auf die merkwürdigen Praktiken des Ordens-Provinzials aufmerksam machen“ wollen. Albert Damaschke, Sprecher der KG Große Brühler, sagt: „Der Mann war äußerst beliebt und im Karneval aktiv. Er hat sogar eine Karnevalsmesse abgehalten. Außerdem ist es ihm in den letzten Jahren hervorragend gelungen, die Kirche wieder zu füllen. Deshalb unsere Aktion.“
War es eine Vorahnung, als der Pater-Prinz Bernhard im vergangenen Jahr den Narren die Schöpfungsgeschichte des Örtchens Walberberg vortrug? „Und Gott setzte einen Berg zwischen Bonn und Köln und nannte ihn Vorgebirge, weil er ihn vor allen anderen liebte . . .“ Aber zumindest mit der Geistlichkeit in der Domstadt ist nicht zu spaßen.
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