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Interessengemeinschaft Weilerswist, 23.01.2005 für das Dominikanerkloster St. Albert, Walberberg N.N.
Provinzialat im Dominikanerkloster Heilig Kreuz Herrn Pater Provinzial Hans-Albert Gunk OP Lindenstraße 45 50674 Köln
Dominikanerkloster St. Albert, Walberberg
Sehr geehrter Herr Provinzial,
die von Ihnen und Ihren Beratern geplante und beschlossene Maßnahme, die Tagungsstätte Walberberg kurzfristig, wenn nicht gar überstürzt zu schließen - gegen den vielfach erklärten Willen Ihrer dort lebenden Mitbrüder - stößt auf völliges Unverständnis bei den vielen Menschen, die sich Walberberg verbunden fühlen (s. den Protestbrief an Sie vom Dezember 2004 mit umfangreichen Unterschriftenlisten). Über Jahrzehnte hinweg galt das Dominikanerkloster Walberberg als geistig-spirituelles Zentrum zwischen Köln und Bonn und weit darüber hinaus. Selbst Kirchenfremde haben als Tagungsteilnehmer in der Akademie den Geist des Hauses spüren können.
Mit Entsetzen wurde die kompromisslose Art und Weise zur Kenntnis genommen, mit der Sie bereits jetzt Teile der Tagungsstätte an das Phantasialand vermieten wollen (siehe die Zeitungsartikel in der „ Bonner Rundschau“ vom 12.01., im „Generalanzeiger“ und „Express Bonn“, beide vom 13.01.2005).
Nachdem der Beschluss vom 08.01.2005 die Maßnahmen anscheinend - zumindest aus Ihrer Sicht - endgültig besiegelt hat, drängen sich uns grundlegende Fragen auf. Ist der Beschluss das Ergebnis eines Bekenntnisses zu dem seelenlosen Programm einer kapitalistischen Denkordnung, wo der Geist auszog? Ist er die Abkehr von der Ehrfurcht vor den Gefühlen derer, die dort leben und arbeiten und derer, die im Kloster eine geistig-religiöse Heimat finden?
Wir stehen auf der Seite der jetzt Ratlosen, auf der Seite derer, die ihre Arbeit verlieren werden und derer, die ohnmächtig dem Geschehen zusehen müssen. Darum sehen wir es als unsere Pflicht an, unseren Unmut und unser Unverständnis Ihnen gegenüber sichtbar zu machen!
Die jetzt beabsichtigten Veränderungen, die die Existenz des gesamten Standorts bedrohen, lassen sich vielleicht noch durch ein Wunder rückgängig machen. Vielleicht muss dieses „Wunder“ auch durch Menschen unterstützt werden, die mit ihren Unterschriften und großzügigen Geldspenden (bisher ca. 160.000,-- € ) ihr Interesse am Erhalt der Tagungsstätte und des gesamten Klosters bekundet haben. Es bleibt uns nichts übrig als dies zu wünschen und im Gebet zu erhoffen. Es gibt unseres Wissens Vorschläge, die Tagungsstätte an ein artverwandtes Unternehmen zu vermitteln, statt an das Phantasialand, um so auch die vorhandenen etwa 60 Arbeitsplätze zu erhalten.
Es drängt sich der Gedanke auf, dass Ihre Vorgehensweise hinsichtlich des Standortes Walberberg dem geistigen Auftrag und damit letztlich der ganzen Existenz des Ordens schweren Schaden zufügen könnte. Kehren Sie um zu einer Politik des Gewissens und geben Sie denen, die dort leben und arbeiten und den vielen an Walberberg interessierten Menschen die Möglichkeit, eine langfristige, der Bedeutung Walberbergs angemessene Lösung zu finden!
Ihrer Antwort sehen wir mit großem Interesse entgegen.
Mit freundlichen Grüßen
N.N. (Unterzeichneter ist der Redaktion bekannt)
Für die oben genannte Interessengemeinschaft.
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